Gießener Anzeiger - 23.02.2009 |
Junge Kempowski-Forscher auf Spurensuche am Ostseestran |
GIESSEN (rsl). Die Person und das Werk Walter Kempowskis führte die Studenten des Instituts für Germanistik an der Justus-Liebig-Universität im vergangenen Wintersemester auf eine Exkurison an den Ostseestrand. Durch das Seminar „Machs Buch zu, ich kann’s so – Walter Kempowski und sein Rostock“ war ein Großteil der 20 Teilnehmer zuvor erstmals mit dem Werk des Schriftstellers in Berührung gekommen.
Bestandteil dieses von Dr. Sascha Feuchert geleiteten Seminars war freilich auch ein Besuch an der Unterwarnow. Die Fahrt wurde von der Gießener Kempowski-Gesellschaft begleitet und gefördert, teilte Andreas Pfeifer, Schriftführer der Gesellschaft, in einer Presseerklärung mit.
Zu einer ersten Stadterkundung brachen die Exkursionsteilnehmer bereits am Abend der Ankunft in Rostock auf. Die Besichtigung des in der Rostocker Innenstadt gelegenen Klosters „Zum heiligen Kreuz“ stand tags darauf auf dem Programm. In einem der historischen Klosterhäuser ist das Kempowski-Archiv untergebracht. Katrin Möller-Funk, die als wissenschaftliche Mitarbeiterin die Geschicke des Hauses bestimmt, informierte die Gruppe über die dort geleistete Arbeit. So gehe die Gründung auf Walter Kempowski selbst zurück. Heute werden dort zahlreiche persönliche Gegenstände des Dichters gezeigt.
Unter Möller-Funks Führung begaben sich die Studenten zudem auf einen literarischen Stadtrundgang. Zahlreiche Baudenkmäler und Plätze, die mit Leben und Werk des Schriftstellers in Verbindung stehen, waren auf der Tour zu bestaunen. In der Augustenstraße 90, dem früheren Wohnhaus der Familie Kempowski, sei Katrin Möller-Funk noch einmal ausführlich auf die Kindheit des Schrifstellers und sein Verhältnis zu Rostock eingegangen.
Malerisches Warnemünde
„Auf nach Warnemünde“ hieß es am zweiten Tag der Exkursion. Vor Ort ging es mit Reiseführerin Karin Schatzberg durch die malerischen Gassen der Stadt direkt an den Ostseestrand. Auch hier seien – neben Informationen über die Geschichte des Ortes – immer wieder Bezüge zu Kempowski hergestellt worden. Die Bezeichnung „Kempowski-Stadt“ könne ebenso das rund 20 Kilometer östlich von Rostock gelegene Ostseebad Graal-Müritz für sich beanspruchen. „Immerhin begegneten sich die Eltern des Autors dort zum ersten Mal“, schreibt Pfeifer.
Zum „Pflichtteil“ des Aufenthalts gehörten darüber hinaus mehrere Seminareinheiten, in denen die Teilnehmer Referate halten mussten. „Und nach der Arbeit kam natürlich auch das gesellige Beisammensein nicht zu kurz.“
Freuen durften sich die jungen Kempowski-Forscher laut Pfeifer über eine kleine Anerkennung ihrer Arbeit: Der Vorstand der Gießener Kempowski-Gesellschaft habe nämlich anlässlich seiner jüngsten Sitzung einstimmig beschlossen, den studentischen Exkursionsteilnehmern einen Fahrtkostenzuschuss in Höhe von 150 Euro zu gewähren. Die Gesellschaft wolle auch künftig Projekte unterstützen, die junge Menschen an das Werk Walter Kempowskis heranführen.